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Der Zwerg und die Zuckerrübe

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Eine Geschichte über das Glück in der Nähe

Es war einmal ein einfallsreicher kleiner Zwerg, der sich eines schönen morgens ganz spontan auf den Weg machte, sein Glück zu finden. Er wollte aber nicht irgendein Glück finden, nein, er hatte vor, das außergewöhnlichste Glück zu finden, das ein Zwerg je gefunden hatte, dieses bei den Hörnern zu packen, es zu seinem treuen Untertanen zu machen und mit nach Hause zu nehmen.  Vorausschauend genug,  nahm der kleine Zwerg auf seine Reise nicht viel mit, er wollte unkompliziert und flexibel reisen, sich einfach überraschen lassen. 
Wie das Leben so spielt, traf der kreative kleine Zwerg, ich nenne ihn an dieser Stelle einmal Rasputin, nach einem effizienten Tagesmarsch mitten im Wald auf einer exponierten Lichtung einen erhabenen Hirsch mit seinem exzellenten Geweih. Spitzbübisch und mit lockerer Geste fragte Rasputin den Hirsch: ” Hey, sei mal so rockig und verrate mir, ob hier im Wald das Glück wohnt!” Der freundliche Hirsch, den die Frage emotional rührte, begann zu schwärmen: “Ich weiß nicht ob sie hier wohnt, aber ich habe sie hier schon gesehen. Sie ist lang und schlank, und unwiderstehlich süß, und ihr Geruch ist……” er rang nach Worten: ” …Inspirierend!” 
Er machte eine dramatische Pause und fuhr dann freundschaftlich fort: “Ehrlich gesagt, mein junger innovativer Freund, wäre es mir eine Ehre, mit dir gemeinsam nach ihr zu suchen. Wenn wir sie gefunden haben, wird ein fairer Kampf zwischen uns beiden entscheiden müssen, wem von uns es vergönnt sein wird, das Glück galant nach Hause begleiten zu  dürfen.” 
Da ihm sein Gegenüber vertrauenswürdig genug schien und ihm die Strategie einleuchtete, beschloss Rasputin, sich vom Hirsch mit dem herausragenden Geweih und dem leidenschaftlichen Herzen begleiten zu lassen. 
Als die beiden nun entschlossen und zielgerichtet auf ihrem Wege ohne Umwege direkt in die Arme des Glücks unterwegs waren, gerieten sie immer wieder ins Schwelgen über die Heißersehnte, indem sie ihre aussagestarken Kurven lobten, und ihre impulsive Art, einfach zu erscheinen und wieder zu verschwinden, scheinbar willkürlich und doch nicht ohne Wirkung. 
Während die beiden Weggefährten auf der Suche nach dem Glück fokussiert und strukturiert den Wald durchkämmten, fanden sie zunehmend nichts als Ablenkungen vor.
Freche Sonnenstrahlen kitzelten humorvoll ihre Nasen, die außergewöhnlichsten  und farbenprächtigsten Blüten lugten zwischen weichem und duftendem Moos hervor, leckere Beeren in den köstlichsten Geschmacksrichtungen boten sich am Wegesrand an,  und sowohl die ungewöhnlichsten Gerüche als auch die verlockendsten Klänge trugen zu einem professionell  inszenierten Schauspiel bei, das die beiden Wanderer in ferne Länder aus Märchen und Sagen entführte. 
Nicht mehr Herr ihrer Sinne, liessen sich Zwerg und Hirsch auf einer lichtdurchfluteten Lichtung nieder und vergassen im Rausch ihres Abenteuers den Grund und das Ziel ihres gemeinsamen Weges. Zugegebenermaßen empfanden sie in diesem Augenblick nichts anderes mehr als ein angenehmes Völle-Gefühl in der Magengegend und eine Zufriedenheit, die sich langsam in ihnen breit machte und die sie ihr Streben aus den Augen verlieren ließ. 
Just und konkret in diesem zauberhaften Moment des Abendlichtes, als sich die letzten rotgoldenen Sonnenstrahlen noch ihren Weg durch die Baumkronen bahnten, trat das lang ersehnte und schon fast vergessene Glück auf die Lichtung- lang und schlank und unwiderstehlich süß. 
Kampfbereit und zielgerichtet stürzten sich die beiden Suchenden, nun wieder zu ihrer vollen Leistungsfähigkeit erwacht, auf das, was sich ihnen erbot. 
Wie es sich herausstellte, war noch nicht einmal ein Kampf unter den Genossen vonnöten, denn schon kurze Zeit später hielt jeder stolz und zufrieden und mich hochroten Wangen sein Glück in den Armen- lang und schlank und unwiderstehlich süß. 
Nach einer ungeduldigen aber herzlichen Verabschiedung trabten der Hisch und seine Hirschdame davon, um ihr gemeinsames Glück zu feiern, und Rasputin, der kleine Zwerg, bleib überglücklich mit seiner langen und unwiderstehlich süß duftenden Zuckerrübe auf dem Arm auf der Lichtung sitzen und erzählte ihr, wie er nach ihr gesucht und sie nun endlich gefunden hatte, und sie erzählte ihm, wie überglücklich sie war, dass ausgerechnet die langbeinige Hirschdame sie aus dem Boden des Feldes gerupft hatte, das,  wie es sich herausstellte, direkt neben dem hölzernen Häuschen Rasputins lag.
Die Hirschdame hatte sie schlussendlich unversehrt auf die Lichtung ihres schönen Schicksals geschleppt.
Wieder zu Hause angelangt, errichtete Rasputin nach einigen Wochen, in denen er das Glück  ausgiebig gekostet hatte, einen kleinen Schrein, auf dem er die Überreste seine großen Liebe für alle Zeiten dankbar in Erinnerung und Verehrung verwahren wollte. 
Nach diesem Ritual nahm er einen Spaten und machte sich an die Arbeit auf dem nahe gelegenen Feld.

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