ma filou*s geschichte - Magnolia Tree Verlagshaus
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filou*s geschichte

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vor langer langer zeit, lebte in einem land um die ecke ein traumtänzer namens filou* ganz alleine in einem kleinen verwitterten häuschen. filou* war ein traumtänzer, weil es seine aufgabe war, nachts in den träumen der jungen mädchen zu erscheinen und mit ihnen auf königlichen bällen zu tanzen, wie es sich zu jener zeit viele junge mädchen erträumten. filou* war ein solch wundervollen tänzer. seine bewegungen waren anmutig und seine gestalt edel. er war zuvorkommend und äußerst schön anzusehn. er hatte manieren und konnte doch humorvoll sein… ganz wie es dem traum des jeweiligen mädchens entsprach.

eines nachts trat er durch eine ihm bisher unbekannte tür hinein in ein geschmackvoll eingerichtetes zimmer einer wohlhabenden familie. es war ein sehr schönes zimmer in einem sehr schönen haus, und doch fiel es filou* sehr schwer, in diesem raum zu atmen. es war, als hinge eine unsichtbare decke über dem ganzen raum, der einem die luft zu atmen raubte, eine undefinierbare traurigkeit, die wie trockener staub in der luft hing.

filou* sah sich im zimmer um und entdeckte ein üppiges kojenbett, in das bestimmt auch ein riese gepasst hätte, und dort lag, ganz eng ans fussende des bettes gekuschelt, ein kleiner undefinierbarer haufen etwas.

der haufen etwas bewegte sich ganz ruhig auf und ab, und ab und zu hörte man ein leises stöhnen. filou* war neugierig geworden…. er kam ganz nah an den kleinen hügel aus decken heran und sah dort eine kleine nasenspitze hervorblitzen, und schöne lange kringelige locken, die nassgeschwitzt aus den kissen lugten… das kind war ganz heiß und doch wirkte es kalt, als wäre es längst in ein anderes land gesegelt um dem stöhnen dieses kleinen körpers zu entrinnen… wie schön sie aussah…sie hatte ganz dichte und lange wimpern, für ihr zierliches gesicht fast ein bisschen zu lang, und ihre kleinen um atmen geöffneten lippen sahen aus wie kirschen, die frühsommers immer zu zweit an den bäumen baumeln.

filou* kam noch ein bisschen näher. er wollte seine kleine freundin noch ein bisschen genauer anschauen, bevor er in ihren traum eintauchen würde und keine zeit mehr für solche dinge hatte….
er entdeckte auf ihrer linken schläfe knapp unterhalb des auges ein wunderschönes muttermal, das aussah wie ein schmetterling, der sich dort niedergelassen hatte um dem mädchen in den langen tagen und nächten ihres fiebers gesellschaft zu leisten.

nun war filou* mehr als bereit das zarte kleine wesen kennenzulernen. er ergriff ihre blasse hand und ließ sich von dem mädchen hineinnehmen in ihren endlosen traum.

als filou* wieder seine augen öffnete, lag er mitten auf einer rot-weiss gepunkteten decke auf einer wunderschönen wiese unter einem herrlichen kletterbaum. laetitia saß neben ihm und plapperte fleißig ohne luft zu holen… mit ihren kleinen fingerchen war sie gerade dabei zwei unterschiedlich große blumenkränze zu flechten, einen für sich, der war schon fertig, und einen für filou*. sie nahm den kranz und maß ihn an seinem kopf um herauszufinden, wie viel ihm noch fehlte. er war schon fast fertig.

filou* konnte fühlen, wie sich etwas tief in seinem inneren bewegte. er hatte so etwas noch nie gespürt- nicht einmal benennen konnte er es, obwohl er doch ein traumtänzer vieler blumiger umschreibungen und bunter geschichten war. dieses neue gefühl belebte ihn. er fühlte sich lebendig wie nie zuvor. er wollte diesen moment festhalten. eine zeitlupen-aufnahme der kleinen quirrligen prinzessin, die blumen, der wind, ihr stimmchen, die dunklen löckchen, die im wind tanzten….. er schaute ihr kleines gesicht an und ihre langen wimpern und nun fand er mit einem mal das wort, das er suchte. er fand es, und doch wollte er es nicht formulieren. zu gering und zu mickrig wäre der klang des wortes gewesen, gemessen an der flut an gefühlen, die aus seinem inneren diesem kleinen wesen entgegenschwappten….

mit einem mal traf es ihn wie ein schlag ins gesicht. laetitia. sie würde steckenbleiben. in diesem traum. für immer. sie würde nie wieder aufwachen. sie würde nie wieder in die liebevollen augen ihres vaters sehen, der sie in seinen starken armen wiegte, und sie würde nie wieder der warmen stimme ihrer mutter lauschen können, die ihr von weiten ländern erzählte, die sie viele jahre zuvor bereist hatte und mit dessen erinnerungen sie das ganze haus bestückt, und ihm somit einen unvergleichlichen charme verliehen hatte. nie wieder würden ihre kleinen beinchen über die treppenstufen hinaus in den blühenden garten rennen, um dort mit den vögeln um die wette zu singen.

filou* verfiel in eine tiefe traurigkeit. er konnte nicht aufhören zu grübeln, wege zu durchdenken, alles aufzuhalten. ein sehr sehr kleiner teil in ihm, eine ganz leise stimme, wüschte sich laetitia in seine welt hinein, um sie festzuhalten, um dieses neu gewonnene gefühl zu zu erforschen. dieses gefühl, jemanden rund um die uhr anschauen zu wollen, jemanden für immer und allezeit beschenken und beglücken zu wollen, ihm alles gute tun zu wollen, alles für ihn aufzugeben, ihn zu bewundern und zu geniessen. filou* wusste, dass die menschen es liebe nannten. doch ein traumtänzer wie er, durfte so etwas nicht empfinden. es war eine große gefahr für ihn und seine arbeit. er sollte ein begleiter sein. jemand, der ohne eigene ambitionen und wünsche einfach nur eine zeit lang gut tut. es zerriss ihn.

laetitia hatte seine sorgenfalten entdeckt und war neugierig geworden. sie sprang auf, schnappte filou*s hand, und rannte los. sie zerrte ihn mit sich über die wiesen, die gerade in ihrer voller blütenpracht standen, an feldern entlang, vorbei an einem kleinen fröhlichen bachlauf, der am ende des weges in einen tiefen see mündete. am ufer stand ein kleines altes ruderboot, das filou* an anderen traurigen tagen schon so manches mal bestiegen hatte, als begleiter eines kleinen mädchens in eine ungewisse zukunft.

diesmal wollte er nicht. es sträubte sich alles in ihm. er konnte nicht. wie sollte er diese schreckliche reise antreten, jetzt, wo er… da war sie wieder, die ambition. ein wunsch, der ihm nicht erlaubt, geschweige denn vergönnt war…. er wollte kämpfen. er würde alles herausfordern. er würde alles austesten. er würde das äußerste wagen. er würde alles dafür geben.

aber….
wofür?
dass sie bei ihm bleiben und er sie auf immer und ewig mit seiner freundschaft würde beschenken können ?
oder..
dass sie womöglich zurück durfte, zu ihrer familie, zu den menschen, denen sie so unendlich viel bedeutete, und denen sie viel zu früh genommen werden sollte?

filou* wusste es nicht. er redete sich ein, er habe einen plan. doch er hatte keinen, und das wußte er ebenso klar, wie er wußte, dass das, was er vorhatte zu erreichen, nicht ohne einen preis erreicht werden konnte. bei diesem gedanken blieb er hängen.

laetitia rannte und hüpfte nun um ihn herum, er spürte ihre weichen locken seinen arm streifen und ihr süßlicher duft zog ihm sanft in die nase. jetzt lachte sie und schaute ihm mit ihren großen tiefen augen an:
” filou*, bei dir ist es schön. da bleib ich”

in eben demselben moment wurde der kampf um filou*s herz entschieden. mit einem schlag wußte er, was zu tun war. seine sinne waren bis eben noch vernebelt gewesen, doch nun konnte er klar sehen.

er nahm das kleine mädchen zärtlich hoch, wirbelte sie im kreis herum, und nahm sie noch einmal fest in den arm. er wollte sie nicht loslassen, er zögerte es hinaus, er vergrub sein gesicht in ihren locken und atmete noch einmal ihren duft ein, er wollte sie nie wieder gehen lassen, doch er musste. er musste es wegen dem gefühl, das er hatte. weil es richtig war. das einzig richtige. gereift durch seine entscheidung, und neu gestärkt durch die plötzliche klarheit in ihm,  stellte er sie sanft aber bestimmt zurück auf den moosbewachsenen boden, legte seine arme auf ihre schultern und mit einem unsagbar mutigen und stolzen blick flüsterte er ihr zu : ich liebe dich. lebe wohl!

mit einem satz sprang filou* in das boot, stieß sich so schnell dass es kaum bemerkt wurde, vom ufer ab und ließ die kleine laetitia völlig verloren dreinblickend am see-ufer zurück. sie rief ihm hinterher: filou* wohin gehst du, lass mich nicht allein…

mitten im satz verschwand sie, und filou* wusste, es hatte geklappt. sein plan war aufgegangen. laetitia war zurückgegangen in ihre welt. sie hatte die seine verlassen. das schmerzte ihn. und nun würde er auch die seine verlassen, doch das schmerzte ihn nicht mehr, denn er hatte die letzte und größte entscheidung seines lebens richtig getroffen.

er hatte aus einem überwätigenden gefühl heraus entschieden. er war zum retter einer wunderschönen kleinen dame geworden. sie würde leben. er hatte geliebt. ein mal in seinem leben hatte er wirklich geliebt.

Comments(3)

  • Anonymous
    Dezember 5, 2011, 9:26 am  Antworten

    Es wäre wundervoll, diese und all die anderen Geschichten, die Du schreibst in gebundener Fassung als Buch in der Hand zu halten!!!

    Diese hier ist außergewöhnlich bezaubernd!!!

    Ein Bewunderer

  • Dezember 5, 2011, 9:53 am  Antworten

    friedrich? 😉
    wenn ich eins herausbringe, schicke ich dir eins meiner ersten exemplare zu! versprochen! 🙂

  • Anonymous
    Februar 24, 2012, 4:02 am  Antworten

    OMG,
    ist das wunder wundervoll!!!

    Danke!!

    deine stille Leserin
    ich genieße dich

    kristina*

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